Sechzig Jahre Vereinte Nationen 2005
Die Nachricht von der Gründung der Vereinten Nationen erreichte ein erschöpftes und zerstörtes Europa. Der Völkerbund war gescheitert und mit ihm die Idee eine friedlichen Europa. Die Vereinigten Staaten hatten sich nicht beteiligt, die europäischen Mächte waren zu sehr in ihren Interessen und ihrer eigenen Geschichte verstrickt, als dass es ihnen gelingen konnte, die in Deutschland heranwachsende Gefahr zu bannen. Krieg, Zerstörung und ein unvorstellbares Morden nahmen ihren Lauf. Am Ende war Europa nicht mehr das Zentrum der westlichen Welt. Die neue Friedensorganisation nahm ihren Sitz in den Vereinigten Staaten. Sie übernahm fortan die Verantwortung für Frieden in Europa.
Die Vereinten Nationen konnten neue Kriege nicht verhindern. Aber sie konnten den Frieden in der Welt gleichwohl bewahren helfen. In all ihren ausgereiften Tätigkeiten sind sie zum Forum der heutigen Welt und zu einer Institution herangewachsen, welche die Völker der Erde verbindet und trotz aller Krisen und Rückschläge ein unverzichtbarer Bestandteil unserer globalen Ordnung geworden ist. Die Vereinten Nationen sind eine Erfolgsgeschichte.
Neue Aufgaben werden sie herausfordern: im Zuge der fortschreitenden Globalisierung der Wirtschaft, angesichts einer weiter wachsenden Weltbevölkerung und vielfältiger sozialer und politischer Spannungen, die sich aus all dem ergeben. Neben der Friedensordnung braucht die Welt eine Ordnung des Rechts, die wirtschaftlicher Macht Grenzen setzen und den Grundbedürfnissen aller Menschen Geltung verschaffen kann. Die Vereinten Nationen werden auch dafür gebraucht. Sie bleiben für uns alle eine unendliche Geschichte.
(Grußwort von Prof. Dr. Kurt H. Biedenkopf für die Konferenz anlässlich des sechzigjährigen Bestehens der Vereinten Nationen, die vom 27. bis zum 29. Oktober 2005 in Dresden stattfand.)